Die Mitglieder der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste stellen sich in einer Ringveranstaltung vor, die in der Regel am letzten Dienstag der ungeraden Monate um 18.30 Uhr im Adalbert-Stifter-Saal des Kulturforums im Sudetendeutschen Haus (Hochstraße 8, München-Au) stattfindet.
 
Das Hauptereignis ist die im Herbst jeden Jahres stattfindende Festveranstaltung, umrahmt von den Klassensitzungen und der Plenarversammlung der Mitglieder und des Kuratoriums der Akademie.

Bei geeigneten Veranstaltungen wirkt die Akademie mit nahe stehenden Organisationen zusammen.

Veranstaltungskalender

Die Veranstaltungen finden - wenn nicht anders angegeben - im Kulturforum Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München-Au, statt. Soweit es sich um öffentliche Veranstaltungen handelt, ist der Eintritt frei.
Über viele der Veranstaltungen wird in der Sudetendeutschen Zeitung berichtet. Ein Link zu dem Bericht findet sich unter Retrospektive bei der jeweiligen Veranstaltung.

Programmänderungen vorbehalten

 
  Dienstag, 26. September 2017, 18.30 Uhr  
R i n g v e r a n s t a l t u n g
Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Wilhelm Schaller
Tschechische und Deutsche Universität in Prag - ein europäischer Modellfall
Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Helmut Wilhelm Schaller wurde am 16. April 1940 in Bayreuth geboren. Er studierte slawische Philologie, Philosophie, osteuropäische Geschichte und Balkanphilologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1965 wurde er in München mit der Dissertation Die Wortstellung im Russischen zum Dr. phil. promoviert, 1972 habilitierte er sich mit der Schrift Das Prädikatsnomen im Russischen. Danach war er zunächst Privatdozent an der Universität München, von 1983 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 war er Universitätsprofessor für slavische Sprachwissenschaft und Balkanphilologie an der Philipps-Universität Marburg. In Marburg war er von 1984 bis 2005 auch Leiter der Zweigstelle der Südosteuropa-Gesellschaft. Von 1999 bis 2005 leitete er das DFG-Projekt zu einem „Kleinen Balkansprachatlas“. Er ist Mitglied der Kommissionen für grammatische Struktur der slawischen Sprachen und Geschichte der Slawistik beim Internationalen Slawistenkomitee, seit 1993 Vorsitzender der Internationalen Kommission für Balkanlinguistik und seit 1996 Präsident der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien e.V. Im Jahr 1990 erhielt er den bulgarischen Orden Kyrillos und Methodios I. Klasse und 2006 den Ehrendoktor der Sveti-Kliment-Ohridski-Universität in Sofia (Bulgarien).
Sein wissenschaftliches Werk deckt ein sehr weites Spektrum an Themen ab. Besonders hervorzuheben sind folgende zentrale Beiträge: substantielle Arbeiten zur Balkanphilologie - seine weit rezipierte Einführung in die Balkanphilologie aus dem Jahre 1975 gilt als Meilenstein des Fachs -, Beiträge zur Bulgaristik, Turzismenforschung sowie zum Balkansprachatlas. Umfangreiche Bibliographien hat er zur Slavistik und Balkanologie erstellt - eine Dienstleistung für die Forschergemeinschaft. Zur Geschichte der Slavistik hat er sowohl Überblicksarbeiten vorgelegt als auch Leben und Wirken von Einzelforschern beschrieben und Forschungen zum Altrussischen und Altkirchenslavischen betrieben. Gleichzeitig bemüht er sich stets um aktuelle Fragen der Sprachenpolitik in der Slavia.
2015 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Geisteswissenschaftliche Klasse, berufen.

Inhalt
Die 1348 von Karl IV. gegründete und nach ihm benannte Universität in Prag war die erste und zunächst auch einzige Universität des römisch-deutschen Reiches. Vor 1409, dem Jahr des Auszugs von Studenten und Professoren nach Leipzig infolge tiefgreifender Konflikte waren dort überwiegend Deutsche und nur wenige Tschechen vertreten. Mit dem 17. Jahrhundert wurde das Deutsche mehr und mehr zur Lehr- und Wissenschaftssprache, zugleich gefolgt von Latein. Erst im Zuge der tschechischen Nationalbewegung kam es 1848 zur Einführung des Tschechischen im Universitätsbereich.
Die 1882/83 erfolgte Teilung in eine Tschechische und eine Deutsche Universität kann trotz Spannungen und Auseinandersetzungen als ein Modellfall für eine über die jeweilige Nation hinausgehende europäische Wissenschaftskooperation gesehen werden. Nicht nur die Universitätsklinik, mehrere wissenschaftliche Institute und der Botanische Garten waren beiden Universitäten weiterhin gemeinsam, sondern auch eine ganze Reihe von Fachgebieten wurden von beiden Universitäten vertreten, so die Slawische Philologie, die mit dem Bohemisten Jan Gebauer an der Tschechischen Universität, einem Anhänger der Leipziger Junggrammatischen Schule, mit den Slawisten Franz Spina und Gerhard Gesemann an der Deutschen Universität zu führenden wissenschaftlichen Zentren wurden.
Die Teilung der Universität Prag wurde 1939 durch die Neugründung als einer „Reichsuniversität“ beendet, die Tradition der Deutschen Universität fand mit dem Ausgang des Zweiten Weltkrieges ihr Ende.

Musik
Antonin Dvoøák: Romantische Stücke für Violine und Klavier, op.75
1. Allegro moderato
2. Allegro maestoso
3 .Allegro apassionato
4. Larghetto

Ausführende
Elfriede Stollberg, Klavier
Anja Schaller, Violine
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Slavische Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
 
 
  Freitag, 20. Oktober 2017, 14.00 Uhr c.t.  
nicht öffentlich
Klassensitzungen

Sitzung der Geisteswissenschaftlichen Klasse
Sitzung der Naturwissenschaftlichen Klasse
Sitzung der Klasse der Künste und Kunstwissenschaften

Wegen des Umbaus des Sudetendeutschen Hauses und der Errichtung des Sudetendeutschen Museums finden die Klassensitzungen voraussichtlich im Haus des Deutschen Ostens (Am Lilienberg 5, 81669 München-Au) statt.

 
 
 
  Freitag, 20. Oktober 2017, 19.00 Uhr c.t.  
 
Öffentliche Festveranstaltung 2017

Programm
 
Empfang ab 18:30 Uhr

19 hct

Begrüßung und Jahresbericht
des Präsidenten der Akademie

Festvortrag
Ursula Haas, München
ordentliches Mitglied der Klasse der Künste und Kunstwissenschaften:
LIBRETTO, (UN)GEHORSAME TOCHTER DER MUSIK
Blick in die Geschichte, Blick in die eigene Werkstatt


Verleihung des Adolf-Klima-Preises 2017 an die
Pianistin Jamina Gerl

Musikalisches Programm:
Dr. Dietmar Gräf, M,A.,  Klavier
Dr. Gernot Grohs, Violoncello
Jamina Gerl,Klavier

Die Schriftstellerin und Librettistin Ursula Haas wurde in Aussig geboren und wuchs in Düsseldorf und Bonn auf, wo sie Germanistik, Geschichte und Pädagogik studierte. Seit der Referendarzeit in München lebt sie hier nun als Schriftstellerin und Librettistin. Sie arbeitet in den Genres Lyrik, Erzählung, Roman, Theaterstück, Essay und Libretto für Oper und Kunstlied. Im Bereich LYRIK, als die Wurzel ihrer Literatur, erschien 1993 im A1 Verlag, München „Wir schlafen auf dem Mund, Gedichte über die Liebe“, 2008 als Handdruck, Nora Presse, Düsseldorf ihre Ghasele „Itimad, Freuden und Klagen“ und 2009 im Verlag Michaelsbund, München „Ich kröne dich mit Schnee, Gedichte und Ghasele“; für diesen Band bekam sie den Nikolaus-Lenau-Preis. 2016 wurde der Kunst-Wandkalender 2017 „Keine Worte ohne Bilder“ mit Gedichten und Bildern von B. Toniolo bei Kuhn-Druck/ Schweiz herausgegeben. 2017 werden bei Bodoni „Wortfisch im grünen Aquarium“ neue Gedichte und Poesien erscheinen. Ursula Haas erhielt Preise und zahlreiche Literaturstipendien wie das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München (1993), der Hansestadt Hamburg, des Brechthauses Svendborg, der Thyll Dürr Stiftung. Als PROSA erschien bei Limes, München 1984 der Erzählband „Abschiedsgeschichten“. Drei Jahre später folgte dort der Roman „Freispruch für Medea“ (1991 als TB Ullstein), der der Autorin den Durchbruch brachte. Sie ist die erste weibliche Autorin, die sich des Medeathemas annahm. 2009 erschien der Roman „Drei Frauen“ über drei Künstlerinnen im Kyrene-Verlag, Wien. 2014 folgten die Geschichten zu „Lust und Brust“,„Busenfreundinnen“ im A1 Verlag, München. Alle ihre Theaterstücke wurden in der Schweiz aufgeführt, zuletzt „Tell und Wagner“ beim Selisberg-Rütli-Festival, 2013. Ihre Arbeit als LIBRETTISTIN wurde durch den Auftrag des Komponisten Rolf Liebermann angestoßen und gefördert, der ein Libretto für seine geplante Medea-Komposition suchte und die Haassche Medea begeistert gelesen hatte. So entstand das gemeinsame Konzert „Freispruch für Medea“ für großes Orchester, Solosopran und großen Frauenchor, Uraufführung Musikhalle Hamburg 1993, Aufführungen an Orten wie: Düsseldorf, Zürich, Paris. Zwei Fassungen einer Medea-Oper folgten in der Zusammenarbeit, Uraufführung Staatsoper Hamburg , 1995, 2aktig, 3- aktig in Bern und 2002 in der Opéra Bastille, Paris. Librettos schrieb Haas auch für viele verschiedene zeitgenössische Komponisten, wie Paul Engel, Adriana Hölszky, Karola Obermüller und Widmar Hader. Es entstanden Kammeropern und Kunstlieder wie zum Beispiel „Getäuscht hat sich der Albatros“ (Paul Engel), Uraufführung mit dem Wiener Klaviertrio und dem Bariton Martin Bruns im Gasteig 2005. MUSIKBELEITENDE TEXTE zu konzertanten Opernaufführungen begannen mit einem Auftrag des Münchner Kammerorchesters (Dirigent Christoph Poppen) und Dietrich Fischer-Dieskau. In dem Text begleitet und kommentiert Bassa Selim (Fidi) das Operngeschehen im Konzert im Prinzregententheater (1999). Aufführungen mit Bruno Ganz als Bassa Selim folgten in Luzern, Amsterdam. Düsseldorf und Paris ebenso. Juni 2016 sprach Ursula Haas ihren musikbegleitenden Text zur konzertanten Oper „Orpheus“ von Christoph Willibald Gluck im Bürgerhaus Erding selbst.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit unterrichtet Ursula Haas literarisches Schreiben an verschiedenen Orten und coacht Autoren. Sie ist Mitglied des VS, der Gedok, der Künstlergilde Esslingen. 2006 wurde sie zum ordentlichen Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Klasse der Künste und Kunstwissenschaften, berufen.

Dr. phil.  Dietmar Gräf, M.A. wurde am 1. Juni 1943 in Marienbad geboren. Nach der Vertreibung fand er zunächst eine neue Heimat in Bayreuth. Er absolvierte 1966 die Kirchenmusikschule in Regensburg, wo er bis 1968 Musiklehrer der Domspatzen war. Nach einem Jahr als Domkapellmeister in Eichstätt studierte er an der Musikhochschule München Kirchenmusik (1972 A-Prüfung) und Musikpädagogik (1973 Staatsexamen). 1972 erlangte er außerdem das Dirigiermeisterdiplom bei Hans Swarowsky in Wien. Seit 1969 wirkt er als Chordirektor und Musikpädagoge in Bad Wörishofen, gleichzeitig absolvierte er ein Klavier-Konzertstudium bei Hellmut Hidegheti in München und ein Orgel-Konzertstudium bei Günther Kaunzinger in Würzburg sowie ein Universitätsstudium in München, das er 1981 mit dem Magister Artium und der Prüfung für das Höhere Lehramt abschloß. Seit 1981 hat er an der Universität München einen Lehrauftrag für Klavier und Orgel inne. 1985 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Für seine zahlreichen Kompositionen, Buchveröffentlichungen und seine rege Konzerttätigkeit wurde er 2001 mit dem Sudetendeutschen Kulturpreis für Musik ausgezeichnet. Dietmar Gräf erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande (2004) und den Johann-Wenzel-Stamitz-Preis der Künstlergilde Esslingen (2010).  2004 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Klasse der Künste und Kunstwissenschaften, berufen.

Dr. phil. Gernot Maria Grohs wurde am 1. März 1960 in Leipzig geboren. An der Hochschule für Musik zu Leipzig studierte er von 1979 bis 1984 die Fächer Violoncello, Viola da gamba und Musikpädagogik mit Diplomabschluss. Von 1984 bis 1987 war er Fachberater für Violoncello im Bezirk Gera, ab 1985 auch Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Weimar, Außenstelle Gera. Von 1987 bis 1988 leitete er ein Ensemble an der Universität Leipzig, wo er 1988 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Musikwissenschaften angestellt wurde und 1989 ein Rigorosum bestand. Er leitete die Kunstschule in Leipzig-Grünau von 1990 bis 1992 und absolvierte gleichzeitig ein Fernstudium im Fach Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater zu Leipzig. Von 1993 bis 2008 war der Leiter der Kreismusikschule „Johann Sebastian Bach“ in Köthen (Sachsen-Anhalt), von 2008 bis 2010 dort Fachbereichsleiter für die Fächer Violoncello und Musiktheorie.  Im Jahr 2000 wurde er vom Fachbereich Musikwissenschaften der Freien Universität Berlin zum Dr. phil. promoviert. Seit 2010 ist er Direktor des Zweckverbandes Musikschule  „Ottmar Gerste“ in Weimar. Er konzertiert als Violoncellist im In- und Ausland mit bekannten Pianisten wie Professor Ulrich Urban (Deutschland), Dr. Dietmar Gräf (Deutschland) und Bertrand Gireaud (Frankreich). Dabei stehen auch immer eigene Kompositionen für Violoncello und Klavier auf dem Programm. Neben dieser künstlerischen Tätigkeit legte er mehrere Bücher und zahlreiche Publikationen zu musikwissenschaftlichen Themen mit Schwerpunkt anhaltische Musikgeschichte vor. Grohs ist Mitautor eines Bachlexikons, eines Orgellexikons und der Neuausgabe der Enzyklopädie „Musik in Geschichte und Gegenwart“. Auch seine überwiegend kammermusikalischen Kompositionen, unter anderem zwei Sonaten für Violoncello und Klavier, zahlreiche Klavierwerke, eine Violinsonate, zwei Streichquartette, werden immer wieder von renommierten Ensembles und Solisten wie dem Philharmonischen Streichquartett Magdeburg, KMD Martina Apitz (Orgel) oder Professor Ulrich Urban (Klavier) zu Gehör gebracht. Er wurde 2005 zum ordentlichen Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste,  Klasse der Künste und Kunstwissenschaften, berufen und erhielt 2010 den Sudetendeutschen Kulturpreis für Musik. Er ist auch Mitglied der Görres-Gesellschaft (Köln), der GEMA und des Vereins für Anhaltische Landeskunde (Dessau).

Kaum Fünfzehnjährig, wurde Jamina Gerl als Vollstudentin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln angenommen. Anschließend ermöglichte ein Vollstipendium der University of Alaska ihr ein Aufbaustudium bei dem russischstämmigen Dirigenten und Pianisten Eduard Zilberkant. 2011 erwarb sie den Master of Music in Piano Performance und war bis Ende 2012 als Assistentin der Catholic University of America in der Klasse von Nikita Fitenko (Doctor of Musical Arts) tätig.
Jamina Gerl hat sich ein außerordentlich breites Repertoire erarbeitet, das von den Anfängen der Klavierliteratur bis in die Gegenwart reicht. Ihre besondere Zuneigung gilt den Werken von Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Chopin und Liszt; doch auch böhmische und russische Komponisten finden ihr Interesse. Zu ihren bedeutendsten Auszeichnungen aus den letzten Jahren gehören Erste Preise beim International Keyboard Institut & Festival (2014), bei der American Protégé Concerto Competition (2014) und bei der International Shining Stars Rachmaninoff Concerto Competition (2013). Jamina Gerl ist eine souveräne Musikerin, die über den Horizont ihres Instruments, die Welt des ?Nur-Pianistischen, hinauszudenken vermag. Ihre Interpretationen bezeugen einen enormen Gestaltungswillen und bestechen gleichermaßen durch Klarheit der Konzeption wie Sorgfalt der Ausführung. Stilistisches Einfühlungsvermögen und Eindringlichkeit der zu vermittelnden Aussage verbinden sich bei ihr aufs Überzeugendste.

 
 
 
  Samstag, 21. Oktober 2017, 9.30 Uhr  
nicht öffentlich
Plenum

Die Tagesordnung wird satzungsgemäß drei Wochen vor der Plenarversammlung den ordentlichen Mitgliedern der Akademie und den Mitgliedern des Kuratoriums zugestellt.
Die Sitzung kann voraussichtlich noch im Adalbert-Stifter-Saal stattfindeen.

 
 
 
  Dienstag, 28. November 2017, 18.30 Uhr  
R i n g v e r a n s t a l t u n g
Professor Mag. Klaus Feßmann:
Transformation von Musik in Architektur
Prof. Mag. Klaus Feßmann (* 03.07.1951 in Nürtingen am Neckar) hat mütterlicherseits sudetendeutsche Wurzeln (Troppau), ist Pianist, Komponist, KlangKünstler, Autor und Pädagoge.
Er studierte an der Musikhochschule Stuttgart Schulmusik (Klavier/ Komposition), schloss mit dem Staatsexamen in Schulmusik und Germanistik (Universität Stuttgart) ab, studierte Komposition bei E. Karkoschka (geboren in Mährisch Ostrau) und Musikwissenschaft bei H.-H. Eggebrecht. Nach dem Studium wurde er Dozent für Musiktheorie an der MUHO Stuttgart und erhielt 1997 einen Ruf als o. Universitätsprofessor an die renommierte Musikuniversität Mozarteum Salzburg.
Seine künstlerische Entwicklung ist geprägt von einer Begabung, die in den Grenzbereichen zwischen Musik, Bildender Kunst, Literatur, Bildhauerei und multimedialem Denken angesiedelt ist. Seine musikalische Sozialisation beruht auf der Klaviermusik von W. A. Mozart, die er seit dem fünften Lebensjahr spielt. Neben der klassischen Musik konzertierte und komponierte er in den Bereichen experimenteller Musik, Avantgarde, Weltmusik. Seine Vorliebe gilt der indischen Kultur.
Der erste Schwerpunkt seines künstlerischen Arbeitens liegt in der Entwicklung neuer musikalischer Notationsformen. Seine Kompositionen notierte er nicht mehr im raditionellen Notensystem, sondern er arbeitete, um Musik komplex darstellen zu können, mit mehreren Schichten über Spezialpapier und Folien, nahm Glas, Spiegel und Plexiglas hinzu, entwickelte neue Zeichen, baute Objekte, die zum Teil als kybernetische Modelle funktionieren. Es liegen etwa 800 Musikalische Graphiken vor.
Vor etwa 20 Jahren stieß er auf das Material Stein als Klangmaterial. Diese Beschäftigung wurde zum Mittelpunkt seines künstlerischen Arbeitens. Feßmann erforschte an verschiedenen Steinarten die Klangtypen, führte umfangreiche Messungen durch, um die Entwicklung der Steinklänge begründen zu können. Er spielt alleine oder im Duo, gründete das Ensemble KlangStein, spielte mit dem Bratscher H. Voss klassische Musik mit KlangSteinen ein, vor sechseinhalb Jahren erfolgte dann die Gründung des Ensembles Laetare. Es liegen verschiedene CDs vor, das Buch KlangSteine wurde bei südwest veröffentlicht, eine eigenständige Therapieform entwickelte sich und wird erfolgreich angewandt.
Aus der Arbeit mit den KlangSteinen entstand das Konzept „Kieselschule“, veröffentlicht bei Kösel. Die Kieselschule ist die einzige elementare Musik- und Kompositionsschule. Sie arbeitet mit 2 Kieselsteinen und wird vielfältig angewandt. Im Jahr 2004/05 entwickelte Fessmann das Projekt „ReSonanz&AkzepTanz“, ein pädagogisches Projekt für Schulen mit einem hohen Migrationshintergrund. Er wurde dafür im Jahr 2009 mit dem Echo- Klassik-Preis ausgezeichnet.
Neben weiteren Tätigkeiten ist besonders die Transformation von Musik in Architektur zu nennen, welche in Heidelberg-Rohrbach umgesetzt wurde und wo inzwischen 2.500 Menschen leben.
Klaus Feßmann ist seit 2012 Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Klasse der Künste und Kunstwissenschaften, und erhielt 2013 den Sudetendeutschen Kulturpreis für Musik.
 

 

Texte zu vergangenen Veranstaltungen

Widmar Hader: Cantus traductus

Prof. Barbara Probst-Polášek: Die Gitarre und ihre Verwandten mit ihrer Musik

Prof. Dr. Heinrich F. K. Männl: Sterbehilfe aus ärztlicher Sicht

Dr. Helga Unger: Beginen gestern und heute – Ein Lebensmodell mittelalterlicher Frauen und Wohnformen heutiger Frauen

Prof. em. Dr. rer.nat. Dr. h.c. mult. Herwig Schopper: Wissenschaft und Völkerverständigung - am Beispiel von CERN und SESAME

Prof. em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Walter Wunderlich: Vom Pantheon zum Olympiadach - Statik im Wandel der Zeiten
veröffentlicht in Forschungsbeiträge der Naturwissenschaftlichen Klasse, Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste 31, Seiten 313-336.

Prof. Dr. Stefan Weinfurter: Herrschen durch Gnade - Die Autorität des Königs im frühen 11. Jahrhundert

Widmar Hader: nomoi Präsentation bei der Vasilopitta-Feier 2010

Prof. Dr. Konstantinos Nikolakopoulos: Einführung in die Person des Hl. Basileios des Großen

Prof. Dr. Ernst Erich Metzner: Neue überlegungen zum Namen und zur Herkunft der ,Baiernۥ und ,Mährerۥ

Prof. Dr. Hubert Irsigler: Exilserfahrung. Existenzielle Herausforderung und Wege ihrer Bewältigung im biblischen Israel

Prof. Dr. Ludwig J. Weigert: Der Karlsbader Sprudelstein
veröffentlicht in SUDETENLAND, 53. Jahrgang (2011), Heft 1, Seiten 69-85.

Prof. PhDr. František Mezihorák, CSc., Dr. h.c.,: Gedankenstereotypen, Mythen und Vorurteile in den Beziehungen der mitteleuropäischen Nationen
Vortrag im Rahmen der Festveranstaltung 2011 der Akademie.

Prof. Dr. Heinrich Rubner: Die Sudetenlärche seit der Renaissance – ein Beitrag zur Böhmischen Forstgeschichte, Einführung von Ministerialdirigent a. D. Reinhold Erlbeck und Bilder zum Vortrag.

Prof. Dr. Dr. h. c. Winfried Böhm: Jean-Jacques Rousseau oder: Die Wasserscheide der abendländischen Pädagogik
erscheint in: Forschungsbeiträge der Geisteswissenschaftlichen Klasse, Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, Band 32, Seiten 117-128.

Buchpräsentation: Reichenberg und seine jüdischen Bürger.

Prof. Dr. Nicolas Z. Szafowal: Ukrainische Freie Universität: Die Prager Periode - Deutsche Elemente in ihrem akademischen Wirken.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Stelzner: Die Macht und Ohnmacht des Schweigens.
Festvortag bei der Öffentlichen Jahresveranstaltung am 19. Oktober 2012

Prof. Dr. Hans Michael Körner: Museum und Ausstellung: zwei Vermittlungsinstanzen im Spannungsfeld von Geschichte und Politik.
Ringveranstaltung am 27. September 2016